Wir bauen unseren eigenen Spieleautomaten

Der fertige Spielautomat
Warum bauen wir einen Spieleautomaten?

2017 nimmt die Faktor Zehn an der JavaLand-Konferenz im Phantasialand in Brühl teil, die vom 28. bis zum 30. März ihre Tore öffnet. Selbstverständlich möchten wir dabei so viel Aufmerksamkeit wie möglich erhalten und potentielle neue Kollegen zu uns führen. Wir haben überlegt, wie wir das am geschicktesten machen können und sind auf die Idee gekommen, unseren eigenen Spieleautomaten zu bauen und die Besucher spielen zu lassen.

Das ist natürlich total cool [citation needed], darum habe ich mir das Projekt unter den Nagel gerissen und damit angefangen, die nötigen Teile im Internet zu bestellen. Das ist leicht, richtig? Nein, nicht wirklich: Es gibt zwar ein paar Anbieter von Retro Arcadebauteilen in Deutschland, aber die Kontaktpersonen haben nie auf meine Anfragen reagiert; sei es nun per Mail oder telefonisch (Freizeichen, aber nie ging jemand ran). Echt schade! Letztlich habe ich dann Arcadewinkel gefunden, ein wirklich großartiger Laden in den Niederlanden, der neben erstklassigem Support auch die ganzen coole Teile anbietet, die ich für das Projekt benötigt habe. Der Haken? — Die Bauanleitung war holländisch!

Für unseren Spieleautomaten habe ich die folgenden Teile bestellt:

  • 1 Bartop Spielautomaten-Bausatz für einen Spieler (mit anderen Worten: Der Holzrahmen)
  • 1 Balltop Arcadefighter Joystick, rot
  • 6 klassisch konkave Druckknöpfe, rot
  • 1 kokaver Druckknopf, weiß mit Ein-Spieler-Logo [sieht aus wie ein Toilettenschild, aber egal…]
  • 2 konkave Druckknöpfe, blau
  • 1 iPac 2 USB controller
  • 1 Satz Kabel, bestehend aus 11 Farben, insgesamt 28m lang
  • 60 Kabelverbinder, 4.8mm mit Schutzkappen

Außerdem habe ich mir im nächsten Baumarkt noch ein wenig Holz, Metallwinkel und Schrauben besorgt.

Los geht’s!
Die Bauteile des Spieleautomaten.

Ein Sammelsurium an Teilen; nicht im Bild: Joystick und Kabelverbinder.

Jetzt hatte ich also dieses Sammelsurium an Teilen, das im oberen Bild zu sehen ist (oder jedenfalls so was ähnliches; ich habe leider kein Foto vom Paketinhalt gemacht, als es ankam. Statt dessen habe ich hier die Bilder der Einzelteile von der Webseite zusammengestellt). Mit Hilfe von google translate, einem Akkuschrauber und ~bohrer, einem Maßband und jeder Menge Geduld [inkl. einiger Flüche] habe ich daraus dann das hier gezimmert:

Der zusammengebaute, aber noch unbehandelte, Spieleautomat.

Erster Zusammenbau; noch nicht sehr stabil.

Das sieht zwar gar nicht so schlecht aus, war in Wirklichkeit aber ziemlich wackelig: Der Bausatz kam mit „Kunstof montageblokken“ (also Befestigungsblöcken aus Plastik), die ziemlich widerspenstig waren. Es war nahezu unmöglich, diese Blöcke an die dafür vorgesehenen Stellen zu schrauben, weil der Akkuschrauber dafür einfach zu klobig war (und jeder normale Schraubendreher auch); anders ausgedrückt: Die Schraublöcher dieser Plastikblöcke waren einfach zu dicht am Rand. Letztlich habe ich einige Plastikblöcke einfach durch Metallwinkel ersetzt; die ließen sich besser einschrauben und machen den Spieleautomaten auch viel stabiler.

Einen passenden Monitor finden

Im obigen Bild könnt ihr auch einen Monitor im Spieleautomaten sehen. Den zu finden war allerdings ausgesprochen schwierig, da er auf keinen Fall breiter als 35cm sein darf. Versucht mal, danach zu suchen… Es ist natürlich einfach, nach der Auflösung oder der Bildschirmdiagonale zu suchen, aber die tatsächliche Breite des gesamten Monitors wird nicht immer (korrekt) angegeben… Zuerst hatte ich einen Bildschirm bestellt, der mit einer Breite von 35cm angegeben war, tatsächlich aber 38cm breit war. Letztlich musste ich dann doch den Iiyama ProLite T1532SR-B3 nehmen, der 35,1cm breit ist, was gerade noch so passt, aber leider viel teurer ist, als mir lieb war: Es ist ein Touchscreen, was für einen Spieleautomaten natürlich völlig belanglos ist…

Aber gut: Mit dem nun eingebauten Monitor und den ebenfalls befestigten Knöpfen und dem Joystick musste ich jetzt nur noch den iPac 2-Controller anschließen. Grundsätzlich übersetzt der Controller jeden Knopfdruck (oder jede Bewegung des Joysticks) in einen Tastencode. Alles anzuschließen war eigentlich ganz einfach: Jeder Mikroschalter musste mit einem Pin des Controllers verbunden werden. Es gab allerdings ein (merkwürdiges) Problem: Der iPac hat zwei Erdungs-Pins. Anscheinend ist es keine gute Idee, das Erdungskabel mit beiden Pins zu verbinden: Als ich das gemacht habe, kam einfach überhaupt kein Signal an. Sobald ich dann aber das Erdungskabel von einem Pin gelöst hatte, hat es einwandfrei funktioniert (1). Einfach den Controller an den USB-Anschluss des Rechners anschließen und voilà: Die Knöpfe und der Joystick des Spieleautomatens haben Tastatursignale an den Computer geschickt. Cool!

Im Spieleautomaten sind die Mikroschalter der Knöpfe und des Joysticks zu sehen.

Anschließen der Mikroschalter.

Kabel von den Mikroschaltern werden mit dem iPac 2-Controller verbunden.

Der fertig verkabelte iPac 2-Controller. (Man könnte noch einen zweiten Spieler anschließen).

Verschönerungen

Nachdem nun der grundsätzliche Zusammenbau fertig war, blieb die Frage, wie man das Äußere des Automaten verschönern könnte. Ich habe einen Freund gefragt, ob er mit seinen Airbrush-Skills ein „Pac-Man“-Labyrinth auf die Maschine zaubern kann, nebst ein paar Designvorlagen aus dem ConVista Marketing Team. Das Ergebnis ist super geworden:

Der fertige Spieleautomat (links)

Der fertige Spieleautomat (links)

Der fertige Spieleautomat (rechts)

Der fertige Spieleautomat (rechts)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dieser Stelle muss ich noch sagen, dass der Spieleautomat keinen Raspberry Pi eingebaut hat. Stattdessen muss er an einen Computer angeschlossen werden, damit er funktioniert. Natürlich wäre es leicht, einen RasPi einzubauen, ich wollte aber Unity auf dem Automaten laufen lassen und Unity kommt mit ARM Chips (noch) nicht besonders gut klar (es gäbe einen Workaround, indem man einen Android Build erstellt, aber das RasPi kommt dann an seine Grenzen, wenn er Unity innerhalb eines Android Images laufen lässt… Details gibt’s hier (englisch): http://www.instructables.com/id/Raspberry-Pi-Running-Unity).

Ein Spiel… Wir brauchen ein Spiel!

Falls ihr euch fragt: „Warum ‚Pac-Man‘?“, so ist die Antwort recht einfach: Ich habe überlegt, welches Spiel wir auf dem Automaten laufen lassen können und ich wollte etwas haben, das sowohl leicht verständlich als auch schnell (durch-)spielbar ist, so dass sich keine lange Schlange vor dem Automaten bildet. Pac-Man, dachte ich, wäre recht leicht zu implementieren und ich könnte unser Faktor-IPS Logo als Hauptfigur benutzen. — Wie ich „Fips-Man“ geschrieben habe ist aber eine andere Geschichte, die ich in einem anderen Blog-Eintrag beleuchten werde.

Jetzt freue ich mich erst mal auf die JavaLand und bin gespannt, wie der Automat ankommt.

Wenn ihr damit spielen wollt, müsst ihr euch vermutlich noch ein wenig gedulden. Ich gehe davon aus, dass der Automat am Ende im Münchener Büro landen wird…

Fußnoten

(1) Habt ihr eine Ahnung warum? Könnt ihr es erklären? Man kann doch Erdungs-Pins nicht kurzschließen, oder doch?

2 Kommentare

  1. Christian

    > Since this is cool [citation needed]

    Lovin‘ it 😉

    Antworten
  2. Jan

    Courious how it feels to play on the arcade machine instead of my laptop.

    Antworten

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