Scrum Reihe 2: Scaling Agile – viele (kleine) Teams oder (wenige) große Teams

Scrum ist inzwischen das wohl bekannteste Methoden-Framework im agilen Kontext und verbreitet sich zunehmend auch außerhalb der IT- und Software-Entwicklung.

Die Faktor Zehn setzt Scrum in der Produktentwicklung und in fast allen Kundenprojekten ein.

Aktuell sehen wir in unseren größeren Kundenprojekten unterschiedliche Entscheidungen bezüglich der Teamgrößen. Kommen bei einem umfangreicheren agilen Vorhaben mehrere Teams zum Einsatz, so muss man die Anzahl und die Größe der Teams stets gut gegeneinander abwägen. Setzt man auf viele kleine Teams, um die Effizienz in den einzelnen Teams zu steigern? Oder wählt man lieber größere Teams, um den Kommunikations-Overhead zwischen den Teams möglichst gering zu halten?

Im Scrum-Guide ist die Teamgröße mit drei bis neun Personen angegeben. Teams mit mehr als neun Personen sind nicht sinnvoll für iterative Prozesse wie in Scrum. In so großen Teams sind die internen Prozesse zu komplex und die interne Kommunikation wird zu aufwändig[1] .

Nehmen wir an, wir haben ein Projekt, bei dem wir planen, mit 60 Personen zu arbeiten. Dann können für verschiedene Kombinationen aus Teamgröße und -anzahl die notwendigen Kommunikationswege innerhalb und zwischen den Teams mit der Formel n*(n-1)/2 berechnet werden (mit n = Anzahl der Kommunikationsteilnehmer). Zur Verdeutlichung sind auch Teamgrößen über der empfohlenen Maximalzahl von neun Personen dargestellt:

Es wird deutlich, dass bei einer so großen Zahl an Projektmitarbeitern, wie angenommen, die ideale Kombination zwischen Teamgröße und -anzahl im oberen Bereich der empfohlenen Teamgröße (hier: sieben bis neun Personen) liegt.

Die Kommunikation innerhalb der Teams hat jedoch eine größere Bedeutung. Die Team-Mitglieder arbeiten direkt zusammen, daher ist hier die optimale Kommunikation direkt, unmittelbar und ohne Verzögerung. Die Kommunikation zwischen den Teams kann und sollte stärker strukturiert werden und kann zum Teil auch schriftlich, z. B. über Konzepte oder Schnittstellenverträge, erfolgen. Zudem kann die Notwendigkeit zur Kommunikation zwischen den Teams verringert werden, wenn die Teams geeignet aufgestellt werden (siehe https://blog.faktorzehn.de/?p=1128). Wenn nun der Kommunikation innerhalb der Teams mehr Bedeutung gegeben wird, als der Kommunikation zwischen den Teams, verschiebt sich das Bild mehr zu kleineren Teams. Das Optimum liegt hier bei Teams mit sechs bis sieben Mitgliedern:

Es ist also deutlich erkennbar, dass auch bei sehr großen Vorhaben mit sehr vielen beteiligten Personen eine relative kleine Teamgröße empfehlenswert ist. Natürlich kommen bei solchen Betrachtungen noch andere Dinge mit ins Spiel, wie z. B. die Anzahl der benötigten Scrum-Master und Product-Owner. Die Betrachtungen dazu werden nächste Woche den Abschluss dieser Scrum-Reihe bilden.

[1] https://www.scrumguides.org/docs/scrumguide/v2017/2017-Scrum-Guide-German.pdf

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*