Frauen und die IT-Welt: Interview mit unserer Managing Partnerin Renate

Frauen in der IT-Welt: Interview Managing Partnerin Renate

Liebe Renate, du bist nun schon seit 15 Jahren bei der Faktor Zehn, hast das Unternehmen mitgegründet und bist aktuell die einzige weibliche Managing Partnerin. Wir freuen uns, dich heute interviewen zu dürfen.

 

Fangen wir von vorne an: Was hat dich dazu bewegt, ein Informatik-Studium zu machen und in der IT einzusteigen?

Nach dem Abitur wollte ich eigentlich direkt Informatik studieren. Was mich dazu bewegt hat, war vor allem die Faszination fürs Neue und grundsätzlich das Interesse an mathematischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen. Zu der Zeit war ein Informatik-Studium noch ein ganz frisches Thema. Bis zur Verbreitung von Heimcomputern sollte es noch Jahre dauern und bis zur Einführung des Internets noch Jahrzehnte.

Da die finanziellen Mittel meiner Eltern begrenzt waren und ihr Frauenbild noch davon ausging, dass die Tochter als zukünftige Ehefrau nicht lange berufstätig sein wird, bekam ich aber für den Wunsch Informatik zu studieren keine Unterstützung. Deshalb habe ich zunächst eine Ausbildung zur Diplom-Rechtspflegerin an der Bayrischen Beamten Fachhochschule abgeschlossen und dann auch angefangen, in dem Beruf zu arbeiten. Ich habe aber schnell festgestellt, dass das nicht meins war, und dann doch noch das Informatik-Studium begonnen. Zur Finanzierung konnte ich in den Semesterferien mit den erworbenen Programmierkenntnissen Geld verdienen.

 

Was begeistert dich an der Informatik?

Zur Informatik gehören zum einen Aufgaben, die logisches Denken und Abstraktionsvermögen erfordern. Zum anderen werden aber auch konkrete Ergebnisse für den Einsatz in der Praxis  produziert. Mir gefällt auch, dass es dazu immer wieder nötig ist, „über den Tellerrand“ zu schauen und sich mit der fachlichen Materie der Anwender auseinanderzusetzen.

Außerdem bleibt die Informatik nie stehen. Neue Entwicklungen erfordern lebenslanges dazulernen und bringen dabei immer neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Ein Beispiel: mein erstes Programm – ich gebe zu, das ist lange her – habe ich zu Beginn meines Informatik-Studiums noch mit Lochkarten am Großrechner eingegeben, heute geht man dazu über, die Entwicklungsinfrastruktur in der Cloud laufen zu lassen.

 

Hier ein kleiner Sprung in deiner Geschichte: Wie war es, die Faktor Zehn zu gründen? Wie kam es dazu?

Die ursprüngliche Idee kam von drei Kollegen, die mich gefragt haben, ob ich mitmachen möchte. Es war schon ein Sprung. Am Anfang war natürlich nicht klar, ob das Projekt erfolgreich sein wird. Wir haben bei null angefangen. Ich brauchte schon eine längere Überlegungszeit, bin jetzt aber total glücklich, dass ich das gemacht habe. Die Startphase war auf jeden Fall ein Erlebnis – einerseits das Wagnis (wir haben uns teilweise sehr provisorisch beholfen, um voranzukommen), andererseits das starke Teamgefühl.

 

Gab es in deiner Karriere besondere Wendepunkte, die Dich geprägt und von denen du besonders gelernt hast?

Ein großer Wendepunkt war natürlich, wie eben schon geschildert, aus der Anstellung in die Unternehmensgründung der Faktor Zehn zu wechseln. Bei der Faktor Zehn gab es auch danach einige tiefgreifende Wendungen z.B. den Zusammenschluss mit der ConVista. In meiner Projektarbeit entstanden schöne Erfolge, aber ich schaue auch auf schwierige Phasen zurück.

Für die Karriere bedeuten diese Wendepunkte, dass du gefordert wirst, Veränderungen anzunehmen und mitzugestalten. Gerade wenn Entwicklungen nicht ganz nach Wunsch verlaufen, dann gilt es nach vorne zu schauen und anzupacken, um sich eine neue Rolle zu erarbeiten, die passt und in der du deshalb erfolgreich sein kannst.

 

Welche Erfahrungen hast du bisher als Frau in der IT-Welt und Softwareentwicklung gemacht?

Ich habe von Anfang meiner Berufstätigkeit an miterlebt, dass im IT-Bereich relativ wenige Frauen zu finden waren. Bei Faktor Zehn gab es sogar immer mal wieder Phasen, in denen ich die einzige war. Davon sind wir heute glücklicherweise weit entfernt, wir Frauen sind aber immer noch klar in der Minderheit. Dabei würden wir bei Faktor Zehn gerne mehr Frauen einstellen, leider melden sich aber nur relativ wenige Bewerberinnen.

Um ehrlich zu sein, in Zeiten des Fachkräftemangels braucht die gesamte IT-Branche hierzulande die Skills von Frauen dringend. Eine Unterbrechung der Berufstätigkeit für die Kinder­erziehung ist zudem nicht mehr nur den Frauen vorbehalten. Auch wenn uns die Kollegen im Projekt dann fehlen, freue ich mich aus diesem Grund, wenn ein (männlicher) Kollege Elternzeit nimmt.

Ich persönlich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden, kann also keine Nachteile als Frau beklagen. Mittlerweile gehe ich auch offen damit um, dass ich eine Lebensgefährtin habe, ohne deshalb negative Reaktionen erlebt zu haben.

 

Danke für deine offenen Worte – Nun zur letzten Frage: Was kannst du jungen Frauen auf ihrem Weg in die IT-Welt mitgeben?

Die IT passt zu Frauen! Wenn es euch Spaß macht, dann macht das! Es erwartet Euch ein spannendes, herausforderndes und abwechslungsreiches Berufsleben.

An alle Frauen, die bereits in der IT tätig sind, und solche, die auf dem Weg dahin sind: seid selbstbewusst und anspruchsvoll und lasst uns zusammen die IT-Branche weiblicher machen.

 

Vielen Dank für das Interview!

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